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Männer und Maschinen
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Männer und Maschinen

Die MZ-Beteiligung an den Internationalen Sechstagefahrten und Europameisterschaften im Motorradgeländesport

Ein Artikel von Dieter Baumann aus dem Buch Motor-Jahr 1980. Dieses erschien einmal im Jahr in der DDR und wurde vom transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin verlegt. Es beschäftigte sich mit Verkehr und Kraftfahrzeuge. Der Artikel Männer und Maschinen beschreibt die Erfolge der DDR-Trophy-Mannschaft bei den Six Days auf MZ Motorrädern bis 1980. Der Artikel ist original, es fand keine Kürzung statt, trotz der farblichen Anhauchung.
Da der Beitrag etwas lang ist, steht er als pdf-Version, ohne Bilder, zur Verfügung.


Auftakt im Jahre 1956

Bild 1: Horst Liebe 1 Horst Liebe zählte von 1956 bis 1962 zu den Spitzenkönnern des DDR Motorradgeländesports. Er war oftmaliger Gesamt- oder Klassensieger bei den großen Internationalen Wettbewerben und vertrat mehrfach die DDR als Trophy-Fahrer bei den Six Days. Unser Bild aus dem Jahr 1959 zeigt Horst Liebe auf der 300er MZ ES mit Vollschwingenfahrgestell. - Der spätere MZ-Kundendienstleiter ist seit 1970 Direktor für Außen- und Binnenhandel im VEB MZ

2 Eines der größten Talente, die jemals von der MZ-Sportabteilung hervorgebracht wurden, war der heutige MZ-Kundendienstingenieur Werner Salevsky. In den sechzigern Jahren galt er als einer der besten Geländefahrer der Welt. Salevsky gewann u.a. allein dreimal den Alpenpokal, war Europameister 1968 und gehörte mehr als ein Jahrzehnt stets den DDR-Trophy-Mannschaften an. Gemeinsam mit Peter Uhlig war er sechs Mal am Gewinn der Welttrophäe beteiligt. Unser Bild: Werner Salevsky bei der Internationalen Viertagefahrt Erfurt 1960 auf MZ ES 250/G Bild 2: Werner Salevsky

Im Auftrag der damaligen Hauptverwaltung Automobil- und Traktorenbau der DDR wurde 1953 im VEB Motorradwerk Zschopau eine Sportabteilung unter der Leitung des damals 34-jährigen Ingenieurs Walter Kaaden gegründet. Dieser Sportabteilung, die sich anfangs zunächst nur mit der Entwicklung und dem wettbewerbsmäßigen Einsatz von Rennmaschinen befasste, wurde im Jahre 1956 eine Geländesportgruppe angegliedert. Damit war der Auftakt für das heute schon fast ein Vierteljahrhundert andauernde offizielle Engagement des Zschopauer Werkes im internationalen Motorradgelände-sport gegeben.
Mit der Beteiligung an den großen internationalen Wettbewerben wurde nicht lange gewartet. Es sollten schnell Erfahrungen gesammelt werden, und so ging bereits bei der Internationalen Sechstagefahrt 1956 eine MZ-Fabrikmannschaft an den Start. " Silbermedaillen" und 1 Ausfall waren das Ergebnis jenes ersten MZ-Auftritts bei den Six Days, und im Hinblick auf die Tatsache, dass von insgesamt 313 Startern aus 18 Ländern immerhin 202 Fahrer das Ziel nicht erreicht hatten, waren die Zschopauer mit diesem Anfang recht zufrieden.
Das Maschinenmaterial jener ersten Jahre der werkseitigen Beteiligung am Motorradgeländesport basierte auf den damaligen Großserienmodellen. Da gab es zunächst die heute schon fast legendäre MZ BK 350 mit Boxermotor und Telegabel-Fahrgestell, die zuletzt eine Leistung von etwa 12,5 kW (17 PS) erreichte. Aber schon bald wurden überwiegend die ES-Modelle mit Vollschwingenfahrwerk eingesetzt. Die ES 175 verfügte zunächst über die Leistung von 7,4 kW (10 PS), und die ES 250 wurde mit 9,2 kW (12,5 PS) gemessen. Die Techniker der MZ-Sportabteilung mussten sich mit dem gegenüber dem Rennsport doch wesentlich veränderten Anforderungen erst einmal vertraut machen. Höhere Motorleistung ist beispielsweise im Geländesport durchaus nicht allein ausschlaggebend, und radikale Drehzahlsteigerungen auf Kosten des im Gelände sehr wichtigen Drehmomentes wären das falsche Rezept gewesen. Trotzdem wurden nach einiger Zeit auch Leistungssteigerungen bei den Gelände-Triebwerken gegenüber den Serienfahrzeugen um etwa 50 % erreicht.
Es ist im Rahmen diese Beitrages völlig unmöglich, alle jene mit Namen zu nennen, die sich im Verlauf von mehr als 2 Jahrzehnten als Aktive oder als Techniker, Funktionäre und Betreuer um die MZ-Beteiligung am Motorradgeländesport verdient gemacht haben. Wir wollen trotzdem gelegentlich von einigen sprechen, wobei betont werden muss, dass diese Namen nur Beispiele aus einer großen Reihe hier Ungenannter sind.
Zu den Pionieren bei den aktiven Fahrern zu Beginn der offiziellen werkseitigen Teilnahme von MZ am Geländesport zählten u.a. Walter Winkler und Horst Liebe. Beide gehören jener ersten MZ-Fabrikmannschaft an, die 1956 bei den Six Days startete. Winkler gab bald die aktive Laufbahn auf, wurde später Gruppenleiter Geländesport in der MZ-Sportabteilung und ist seit vielen Jahren Mannschaftsleiter der DDR-Trophy-Mannschaften bei den Sechstagefahrten. Horst Liebe, seit 1970 Direktor für Außen- und Binnenhandel im VEB MZ, zählte von 1956 bis 1962 zu den besten Geländefahrern der DDR und war mehrfach Mitglied der DDR-Trophy-Mannschaft bei den Sechstagefahrten.

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Einige Worte zum komplizierten Reglement

Bild 3: Bernd Uhlmann Bild 4: MZ Sportabteilung
3 Einer der Publikums-Magneten bei der Internationalen Sechstagefahrt 1963 im tschechoslowakischen Riesengebirge waren die "Blauen Steine", die hier von DDR-Trophy-Fahrer Bernd Uhlmann auf der MZ
ES 300/G bezwungen werden
4 3 verdienstvolle Männer der MZ-Sportabteilung fiebern beim Abschlussrennen der Internationalen Sechstagefahrt 1963 in der CSSR dem ersten Trophy-Sieg ihrer Mannschaft entgegen. In höchster Spannung verfolgen sie die letzten Pflichtrunden. Von links: Walter Winkler, Gruppenleiter Geländesport und ständiger Mannschaftsleiter; Erich Bergauer, Konstrukteur in der MZ-Sportabteilung; Obering. Walter Kaaden, Verdienter Techniker des Volkes, seit 1953 Leiter der MZ-Sportabteilung

Die Internationale Sechstagefahrt wurde 1913 von der britischen Fahrrad-, Motorradhersteller- und Handelsunion in Leben gerufen. Das Regelwerk der Six Days wurde oft verändert, aber die ursprüngliche Zielstellung, die Zuverlässigkeit der Motorräder und die Geschicklichkeit der Fahrer zu prüfen, blieb im Prinzip bis heute erhalten. Und jener Grundgedanke des Trophy-Mannschaftswettbewerbes bei den Sechstagefahrten, der besagt, dass 6 Fahrer mit 6 Maschinen über 6 Tage ihr fahrerischen Können und die einwandfreie Konstruktion der Motorräder zu beweisen haben, hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren.
Nicht zu Unrecht bezeichneten die Motorradsportler oftmals die Six Days als das "Olympia des Motorradgeländesports", denn alljährlich treffen bei dieser Veranstaltung seit Jahrzehnten, nur von den beiden Weltkriegen unterbrochen, die besten Geländefahrer der Welt aufeinander. Die Internationale Sechstagefahrt ist vorrangig ein Mannschaftswettbewerb. Es gibt zwar auch Medaillen für die Einzelfahrerwertung, aber offiziell werden weder Klassensieger noch Gesamt-Einzelsieger registriert.
Im Hauptwettbewerb bewerben sich die aus jeweils 6 Fahrern bestehenden Nationalmannschaften - die so genannten Trophy-Mannschaften - um die F.I.M.-Welttrophäe (F.I.M. ist die Abkürzung für "Fédération Internationale Motocycliste"; den internationalen Motorradsportverband). Bis zu Beginn der siebziger Jahre durften am Trophy-Wettbewerb nur Mannschaften teilnehmen, deren Motorräder im Bewerber-Land hergestellt waren, so dass also Länder ohne eigene Motorradproduktion überhaupt nicht für den wichtigsten Wettbewerb der Six Days startberechtigt waren. Mit der Streichung dieser Bestimmung aus dem Reglement schuf die F.I.M. eine wesentliche Voraussetzung für das im letzten Jahrzehnt in vielen Ländern enorm angestiegene Interesse an der Sechstagefahrt. Eine weitere, von allen Freunden des Motorradgeländesports freudig begrüßte Entscheidung wurde 1971 wirksam: Von diesem Jahr an gilt der Trophy-Wettbwerb offiziell als Mannschaftsweltmeisterschaft des Geländesports.
Aus 4 Fahrern bestehende Nationalmannschaft, die praktisch einer B-Vertretung ihres Landes gleichzusetzen sind und in der Six-Days-Sprache als "Vasenmannschaften" bezeichnet werden, kämpfen um die "Internationale Silbervase". Wettbewerbe der Fabrik- und Clubteams komplettieren den Mannschaftscharakter der Sechstagefahrt.
Bild 5: Hans Weber
5 Hans Weber, der unvergessene großartige Geländefahrer und liebenswerte Kamerad vom ASK Vorwärts Leipzig, lenkt hier seine 250-cm³-MZ dem 2. DDR Trophy-Sieg bei der Internationalen Sechstagefahrt 1964 im Thüringer Wald entgegen. Weber war Mitglied der siegreichen Trophy-Mannschaften von 1963 bis 1967
Es ist nicht Aufgabe dieses Artikels, die sehr komplizierten und im Laufe der Jahre vielfach geänderten Regeln des Motorradgeländesports und insbesondere der Internationalen Sechstagefahrt näher zu erläutern. In jüngster Zeit gab es allerdings einige wesentliche Vereinfachungen des Regelwerkes. Für den mit dem Geländesport vertrauten Leser mögen die folgenden Hinweise genügen: An jeder Wettbewerbsmaschine werden vom Veranstalter vor dem Start bestimmte Teile plombiert bzw. speziell markiert, und diese Teile dürfen während des Wettbewerbes nicht gewechselt werden, sonst erfolgt sofortiger Ausschluss des Fahrers. Diese Regelung, die übrigens ab 1979 auf 5 Teile reduziert wurde, dient dem Nachweis der technischen Zuverlässigkeit des betreffenden Fahrzeuges. Gestartet wird nach Hubraumklassen, und jeweils 3 oder auch 2 Fahrer gehen gleichzeitig auf den Kurs, denen dann im Minutenabstand die nächste Gruppe folgt. Eine Sechstagefahrt soll heute die Gesamtdistanz von 1500 km nicht überschreiten. Bei Europameisterschaftsläufen, die als Zweitageveranstaltung ausgerichtet werden, soll die Gesamtstreckenlänge etwa 500 bis 600 km betragen.
Die überwiegend durch unterschiedliches Gelände und nur gelegentlich über normale Straßen führenden Strecken werden in mehrere Abschnitte aufgeteilt, an deren Endpunkten sich jeweils eine Zeitkontrolle befindet. Jeder Fahrer hat die ihm auf einer Zeittabelle vorgegebene Zeit einzuhalten. Für Zeitüber- bzw. -unterschreitungen gibt es Punkte. Die Würze in der Suppe bringen die Sonderprüfungen. Am wichtigsten sind heute die Prüfungen mit Motocross-Charakter auf abgesteckten Strecken im Gelände, aber auch Beschleunigungsprüfungen, Geräuschpegelmessungen usw. gehören zu den üblichen Spezialtests.

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Die "Lehrjahre"

Nach diesem kleinen Ausflug, der ein wenig mit dem Sinn und den wichtigsten "Spielregeln" des Motorradgeländesports vertraut machen sollte, wollen wir jetzt jedoch schnell noch einmal zum motorsportlichen Geschehen der fünfziger Jahre zurückkehren. Im Jahre 1957 waren bei der Unwetter-Sechstagefahrt in Spindleruv Mlyn erneut mehrere MZ-Fahrer aus der DDR dabei, und 1958 gab es bereits eine DDR-Trophymannschaft, gebildet aus 4 MZ- und 2 Simson-Fahrern, und dieses Team erreichte in Garmisch-Partenkirchen immerhin einen 4. Platz. Das Jahr 1959 brachte erneut der von MZ- und Simson-Fahrern gebildeten DDR-Trophy-Mannschaft bei der 34. Internationalen Sechstagefahrt in Gottwaldov/CSSR einen vielbeachteten 3. Platz, und damit waren eigentlich die Lehrjahre für die DDR-Geländefahrer abgeschlossen.

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Meisterhaftes Können - jedoch kein meisterlicher Ruhm

Bild 6: Werner Salevsky 6 An jenem 22. September 1965, dem dritten Fahrtag der 40.Six Days schienen dichter Nebel in den Bergen und strömender Regen auf der gesamten Strecke dem Wettbewerb ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Die Sechstagefahrt drohte im Schlamm zu ersticken. 129 Fahrer schieden an diesem beiden Tagen aus; bei der Sechstagefahrt 1964 in der DDR gab es an allen 6 Tagen nur insgesamt 62 Ausfälle. Werner Salevsky hat den vorderen Kotfügel verloren. Als "schwarzer Mann" fährt er schlammverkrustet weiter, denn zum Bauen bleibt keine Zeit
7 Die siegreiche DDR-Trophy-Mannschaft 1965 nach ihrem großen Triumph. Von links: Mannschaftsleiter Walter Winkler und die Fahrer Werner Salevsky, Bern Uhlmann, Hans Weber, Karlheinz Wagner, Horst Lohr, Peter Uhlig Bild 7: Siegreiche DDR-Trophy-Mannschaft 1965

Ein Wassertropfen im Vergaser der Maschine des Trophy-Fahrers Erich Kypke brachte Zeitverzögerung und Strafpunkte für die erstmalig nur auf MZ-Motorrädern startende DDR-Trophy-Mannschaft bei der Internationalen Sechstagefahrt 1960 in Bad Aussee/Österreich. Wenn die DDR-Mannschaft auch am Ende der 6 Tage die höchste Gutpunktzahl aufzuweisen hatte, so half das nichts, zumal nach den damaligen Regeln Strafpunkte nicht durch Gutpunkte egalisiert werden konnten. Unsere Geländefahrer mussten den Griff nach der höchsten Krone ihrer Sportdisziplin noch einmal vertagen, wobei damals niemand ahnen konnte, dass es 3 Jahre dauern würde, bis überhaupt wieder DDR-Fahrer an den Start einer Sechstagefahrt gehen würden. Politische Machenschaften einschlägiger Kreise verhinderten, wie das in jenen Jahren dem DDR-Sport häufig widerfuhr, die Einreise der DDR-Mannschaften zu den Sechstagefahrten 1961 in England und 1962 in der BRD. Zweimal hintereinander konnten unsere Männer trotz des Protestes der DDR und anderer Landesverbände nicht beim Wettkampf der weltbesten Geländefahrer antreten. Aber gerade in jenen Jahren, da den DDR-Aktiven der Six-Days-Start verweigert wurde, zeigte sich bei den anderen internationalen Geländefahrten, dass MZ zur Weltklasse herangereift war. So errang z.B. MZ-Werksfahrer Werner Salevsky bei den Österreichischen Alpenfahrten 1961 und 1962 als Gesamtsieger zweimal nacheinander den viel begehrten Alpenpokal.

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1963 - der erste Trophy-Sieg

Bild 8: Horst Liebe Bild 9: Werner Salevsky
8 Beim Abschlussrennen auf dem Motodrom von Karlskoga/Schweden im JAhre 1966 zeigten die MZ-Fahrer der DDR-Trophy-Mannschaft - hier Peter Uhlig auf MZ ETS 175 (Start-Nr. 193) noch einmal ihr Können und die Leitungsfähigkeit ihrer Maschinen. Sie errangen hier den 4. Trophy-Sieg in ununterbrochener Folge 9 Mit der 360-cm³-MZ war Fred Williamowski bester Fahrer aller Klassen bei der Inter-nationaler Sechstagefahrt 1969 im Raum Garmisch-Partenkrichen/BRD. Mit dieser Glanz-leistung bewies er überzeugend, wer in diesem Jahr Chef in der Klasse bis 500 cm³ war

1963 stand endlich einem erneuten Start von DDR-Fahrern bei der Sechstagefahrt nichts mehr im Wege; denn der 38. Six-Days-Jahrgang wurde in der sozialistischen CSSR mit Start und Ziel in Spindleruv Mlyn im Riesengebirge ausgetragen. Die DDR-Trophy-Mannschaft startete auf 2 Maschinen der Klasse 175 cm³, auf 2 der Klasse bis 250cm³ und auf 2 300cm³ Maschinen. Die technische Konzeption der Motorräder baute auf Vorhandenem aus der Großserienproduktion auf. Allerdings hatte sich erwiesen, dass die Teleskopgabel in schwerem Gelände gegenüber der bei den ES-Serienmaschinen verwendeten Langschwinge gewisse Vorteile hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Radführung bringt. Im Hause MZ gab es übrigens in jenen Jahren, insbesondere seitens der für den Absatz Verantwortlichen, des öfteren herbe und durchhaus nicht völlig unverständliche Kritik an den Telegabeln-Fahrwerken der Sportabteilung; denn schließlich waren alle ES-Modelle der Großserie mit Vollschwingen-Fahrgestelle ausgerüstet, und für die Vollschwinge wurde viel Werbung betrieben. Aus heutiger Sicht war die Sportabteilung jedoch gerade auf diesem Gebiet das Testfeld und der Wegbereiter für MZ-Großserie-Technik späterer Jahre: Ende der sechziger Jahre wurden bei MZ die ersten ETS-Modelle in Serie produziert, und 1973 verließ die letzte Vollschwingen-ES das Zschopauer Montageband.
Die 1963er Geländemotoren von MZ entstammten im Prinzip der Serie. Sie wurden entsprechend verbessert und erhielten zur besseren Wärmeableitung einen Breitrippenzylinder sowie ein Fünfganggetriebe. Die zweijährige Pause beim Six-Days-Einsatz warf Fahrerprobleme auf. Erfahrene Aktive, wie Horst Liebe, hatten ihre sportliche Laufbahn aufgegeben, nur Werner Salevsky und Horst Lohr hatten überhaupt Sechstagefahrt-Erfahrungen. Diese beiden bildeten gemeinsam mit den Sechstagefahrt-Neulingen Günter Baumann, Bernd Uhlmann, Peter Uhlig und Hans Weber die DDR-Trophy-Mannschaft.
Wer dabei war, wird es nicht vergessen: Nachdem beim Abschlussrennen im kleinen Ort Martinice auf einem Straßenkurs von den MZ-Trophy-Fahrern die erforderliche Pflichtrunden absolviert waren, hielten die DDR-Betreuer am Streckenrand eine große Anzeigetafel hoch, auf der die Worte "Frei Fahrt" und darunter "Herzlicher Glückwunsch" zu lesen waren. Es war geschafft. Die DDR-Nationalmannschaft hatte auf MZ-Motorrädern die höchste Trophäe des internationalen Motorradgeländesports errungen.

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MZ-Siege am laufenden Band

Bild 10: Peter Uhlig 10 Er war jahrelang der große Mann in der Klasse bis 175 cm³; Peter Uhlig vom ASK Vorwärts Leipzig, hier auf einem Schlamm-Abschnitt bei der Sechstagefahrt 1969. In der Erinnerung seiner vielen Freunde lebt der vorbildliche Sportler als ein Mann weiter, dessen Kämpferherz beispielgebend für den Geländesport der DDR war

Der Erfolg in der CSSR berechtigte die DDR nach dem damaligen Brauch, die nächste Sechstagefahrt auszurichten, die mit Start und Ziel Erfurt vergeben wurde. Da hier im Buch über die Sechstagefahrt geschrieben wird, müssen wir uns kurz fassen: Viele tausend DDR-Motorsport-Freunde erlebten in Thüringer Wald das überlegene Können der DDR-Trophy-Fahrer und beim Abschlussrennen auf dem Flugplatz Erfurt-Bindersleben den furiosen Schlussspurt der schnellen MZ-Maschinen, gegen die auch die Engländer mit ihren großvolumigen Motorrädern keine Chance hatten. Erfurt brachte den 2. Trophy-Sieg für MZ. Für die 1964 zum Einsatz gelangten einzylindrigen MZ-Werksmaschinen galten folgende Nennleistungen:
  - 175 cm³ - etwa 13,6 kW (18,5 PS) bei 5500 U/min,
  - 250 cm³ - etwa 17 kW (23 PS) bei 5500 U/min,
  - 300 cm³ - etwa 18,4 kW (25 PS) bei 5500 U/min
Der absolut perfekte Erfolg gelang MZ schließlich bei der 40. Internationalen Sechstagefahrt 1965 auf der Isle of Man/Großbritannien, die als eine der schwersten Veranstaltungen in die Six-Days-Geschichte eingegangen ist. Nach einer mörderischen Schlechtwetterfahrt erreichten in den beiden Hauptwettbewerben um Trophy und Silbervase nur 2 von 29 gestarteten Nationalmannschaften mit allen Fahrern das Ziel: Die DDR-Trophy-Mannschaft auf MZ und die DDR-Vasenmannschaft auf MZ. Etwas mutlos bestätigten die Konkurrenten, dass der MZ-Sieg in der CSSR wohl doch kein Zufall und der Erfolg von Erfurt nicht nur dem "Heimvorteil" zuzuschreiben waren. Im harten Kampf mit den nun immer energischer um Anschluss ringenden Rivalen dominierte das MZ-Trophy-Team der DDR schließlich auch bei den Internationalen Sechstagefahrten 1966 in Villingsberg/Schweden und 1967 in Zakopane/VR Polen, wobei jeweils 2 Plätze der DDR-Vasenmannschaft auf MZ den Erfolg komplettierten.

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Neue europäische Wettbewerbe ab 1967 im Geländesport

Bild 11: Frank Schubert Bild 12: Frank Schubert
11 Anfang der siebziger Jahre übernamm Frank Schubert in der MZ-Sportabteilung nach und nach die Funktion des "Fahrers Nr. 1". Im Jahre 1971, aus dem unser Foto stammt, wurde er erstmalig Vizeeuropameister 12 Auch 1974 machte Frank Schubert große Sprünge und wurde zum 3. Mal Vizeeuropameister in der Klasse bis 250 cm³

Im Jahre 1967 fanden noch vor der Sechstagefahrt - als Vorstufe für eine geplante Europameisterschaft - 3 Wertungsläufe um einen Europapokal der Geländefahrer statt. MZ beteiligte sich in 3 Hubraumklassen an diesem Wettbewerb und gewann in allen 3 Klassen durch Horst Lohr (175 cm³), Bernd Uhlmann (250 cm³) und Karl-Heinz Wagner (350 cm³) die Europapokale. An der ersten Europameisterschaft beteiligte sich MZ 1968 in 4 Hubraumklassen - bis 175 cm³, 250 cm³, 350 cm³ und 500 cm³. Der bisherige 300-cm³-Motor wurde auf 340 cm³ gebracht, und Motoren mit einem Hubraum über 350 cm³ wurden in der Klasse bis 500 cm³ eingesetzt. In den beiden oberen Klassen gelang kein voller Erfolg, aber die fahrerische Klasse eines Peter Uhlig, der mit durchaus nicht überlegenem Maschinenmaterial Europameister der Klasse bis 175 cm³ wurde, sowie das souveräne Können von Werner Salevsky, der den EM-Titel überlegen bei den 250-cm³-Maschinen errang, sorgten für einen guten Einstand von MZ in diesem neuen Wettbewerb.
Die Internationale Sechstagefahrt 1968 in San Pellegrino/Italien brachte eine Unterbrechung in der Serie der MZ-Six-Days-Siege. Trophyfahrer Hans Weber kassierte am ersten Fahrtag recht unglücklich 2 Strafpunkte, und sein Mannschaftskamerad Werner Salevsky musste am fünften Fahrtag wegen Sturz ausscheiden.
1969 ging MZ gut gerüstet in die EM-Läufe. Aber die Wettbewerbe verliefen anders als geahnt. Im Mai 1969 verunglückte beim EM-Lauf in der CSSR unser guter Kamerad Oberfeldwebel Hans Weber vom ASK Vorwärts Leipzig tödlich. Einer unserer Besten hatte seiner geliebten Sportdisziplin den höchsten Tribut zollen müssen. Die DDR-Delegation reiste in tiefer Trauer um den toten Freund vorzeitig nach Hause.
Später, beim EM-Lauf in Italien, sah sich unsere Equipe wegen politischer Diskriminierungsversuche erneut gezwungen, die Teilnahme am Wettbewerb abzubrechen. Trotzdem war nach Abschluss der EM-Läufe Fred Willamowski ganz eindeutig nach dem Reglement Europameister, aber auf dem Herbstkongress der F.I.M. wurde ihm der Titel aus unverständlichen Gründen nicht bestätigt, und ein BRD-Fahrer wurde zum Europameister erklärt.

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Der 6. Trophy-Sieg und Probleme der siebziger Jahre

Bild 13: Manfred Jäger
13 Typische Szene aus einer der heute üblichen Motocross-Prüfungen, hier beim Abschluss der Six Days 1976 in Öster-reich. Vorn mit Start-Nr. 327 Manfred Jäger mit der großen MZ (Klasse bis 500 cm³)
Bei der 44. Internationalen Sechstagefahrt vom 15. bis 20. September 1969 in Garmisch-Partenkirchen/BRD gelang dem MZ-Trophy-Team noch einmal der ganz große Triumph: Zum 6. Mal wurde die DDR-Nationalmannschaft Gewinner der Welttrophäe. Ein Jahrzehnt großartiger MZ-Erfolge im Motorradgeländesport ging zu Ende.
Die siebziger Jahre bescherten auf den ersten Blick der Marke MZ nicht jene Fülle von Spitzenerfolgen im Geländesport, mit denen die Jahre zuvor angefüllt waren. Zunächst wurde allerdings Fred Willamowski vom ASK Vorwärts Leipzig 1970 Europameister in der Klasse 350 cm³. Dem Six-Days-Debakel von 1970 in Spanien, bei dem 4 Trophy-Maschinen ausfielen - davon 3 wegen Unterbrecherschaden - folgte der erneute Europameistertitel in der Klasse über 350 cm³ von Fred Willamowski im Jahre 1971. Kurz vor der Abreise zu den Six Days 1971 auf der Isle of Man verunglückte einer der Größten des DDR-Geländesports, Oberleutnant Peter Uhlig vom ASK Vorwärts Leipzig, bei einem Verkehrsunfall in der Nähe Zschopau tödlich. Er war seit 1963 Mitglied unserer Trophy-Mannschaft gewesen und war auch für England als Trophy-Mann benannt.
Trotzdem gelang es der DDR-Trophy-Mannschaft auf MZ, die verständlicher Weise noch stark unter dem Eindruck des großen Verlustes stand, bei dieser ersten offiziellen Mannschaftsweltmeisterschaft auf der Isle of Man einen ehrenvollen 3. Platz zu belegen.
Mit dem Beginn der siebziger Jahre zog sich die Gesellschaft für Sport und Technik, die über lange Jahre für Breitenarbeit im DDR-Geländesport mitgesorgt hatte, von der Teilnahme an den internationalen Geländewettbewerben zurück. Der Allgemeine Deutsche Motorsport Verband der DDR orientierte sich bald ebenfalls nicht mehr auf die Teilnahme von Clubfahrern an EM und Six Days. So blieben vorerst für die Teilnahme an den großen internationalen Wettkämpfen nur die Fahrer des Armeesportclubs und der beiden Motorradwerke in Zschopau und Suhl als Vertretung der DDR übrig. Zweifellos gab es für diese Entscheidungen vernünftige Begründungen, die hier auch nicht zur Diskussion stehen. Aber genau zum gleichen Zeitpunkt traten in der Fahrerspitze der DDR, die fast ein Jahrzehnt den internationalen Geländesport beherrscht hatte - 6 Trophy-Siege! - Generationsprobleme auf. Die Männer der "Siegergeneration" beendeten einer nach dem anderen ihre aktive Laufbahn, und um den Nachwuchs für die Nationalmannschaft war es nun schlecht bestellt.
In den folgenden Jahren gelang in der Europameisterschaft kein voller Erfolg, d.h. nach Fred Willamowskis Titelgewinn von 1971 wurde vorerst von den MZ-Fahrern kein neuer Europameister gestellt.
Zwar waren die Männer auf den Zschopauer Maschinen stets unter den Besten ihrer Hubraumklassen zu finden, aber die europäische Titelträger wurden in diesen Klassen meist von CSSR-Fahrern oder den italienischen Geländeassen gestellt. Mit der neu eingeführten Art der Sonderprüfungen im Motocross-Stil kam MZ zunächst nicht ganz unrecht.
1972 war Frank Schubert in den EM-Läufen bester MZ-Fahrer und wurde erneut Vizeeuropameister der Klasse bis 250 cm³. Bei der 47. Internationalen Sechstagefahrt vom 11. bis 16. September 1972 im Raum von Spindleruv Myln/CSSR errang die sehr tapfer kämpfende MZ-Trophy-Mannschaft der DDR hinter der einheimischen CSSR den 2. Platz und wurde damit Vizeweltmeister. Die Vasenmannschaft B der DDR auf MZ belegte den 3. Platz unter 26 Vasenteams.
Fred Willamowski beendete die EM 1973 als Vizeeuropameister der Klasse über 350 cm³, und dann folgte das öl-Spektakel bei den Six Days 73 in den USA, als wegen Lieferung falschen öls seitens einer amerikanischen Firma bei den MZ-Maschinen festgebrannte Kolbenringe auftraten, und die DDR-Delegationsleitung sich deshalb gezwungen sah, die Mannschaft unter Protest vom Wettbewerb zurückzuziehen. Im Jahre 1974 wurde Frank Schubert (MZ 250) zum 3. Mal Vizeeuropameister.
Das Trophy-Team der DDR auf MZ belegte dann bei den Six Days in Camerine/Italien nur einen enttäuschenden 6. Platz, weil 2 Fahrer vorzeitig wegen Verletzung bzw. Krankheit ausscheiden mussten.
Ungeahnte Probleme brachte das Sportjahr 1975 für MZ. Der Armeesportclub hatte sich vom Geländesport zurückgezogen, und damit blieb es künftig allein den Sportabteilungen in Suhl und Zschopau vorbehalten, die DDR bei der Europameisterschaften und Sechstagefahrten zu vertreten. über viele Jahre hatten die Fahrer des ASK Vorwärts Leipzig neben den Werkfahrern des VEB MZ am Start der großen internationalen Wettbewerbe gestanden. Die Namen von Günter Baumann, Fred Willamowski, Peter Uhlig, Hans Weber, Klaus Halser und Klaus Teuchert sowie des ASK-Trainers Werner Rosenbrock waren untrennbar mit dem sportlichen Ruhm von MZ auf den Geländepisten verbunden. Dies ära war nun vorüber, und es war schon sehr wertvoll für MZ, dass die ehemaligen ASK-Fahrer Manfred Jäger und Uwe Köthe ihre aktive Laufbahn als nunmehrige MZ-Werkfahrer fortsetzten.
Zwei 3. Plätze am Ende der EM 1975 durch Jäger (über 350 cm³) und Köthe (bis 350 cm³) waren damals die besten EM-Plätze für MZ.
Wegen akuten Fahrermangels konnte erstmalig seit 1961/62 für die 50. Internationale Sechstagefahrt 1975 auf der Isle of Man keine Trophy-Mannschaft benannt werden. Die aus je 2 MZ- bzw. Simson-Fahrern gebildete Vasenmannschaft platzte schnell wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Schneidewind (Simson), und so war der von der MZ-Werksmannschaft gewonnene Goldene Fabrikmannschaftsschild die Ehrenrettung für die DDR-Vertretung bei dieser Sechstagefahrt. Neue Erfolge:
  - 1976 Six Days-Bronze gemeinsam mit Simson,
  - 1977 Vizeweltmeister in der CSSR,
  - 1978 Manfred Jäger Europameister und MZ-Trophy-Mannschaft erneut
     Vizeweltmeister in Schweden.

Bild 14: Harald Sturm Bild 15: Frank Schubert
14 Ein junger Mann macht von sich reden: Der zwanzigjährige Harald Sturm auf der 250er MZ zeigte als Trophy-Fahrer bei der Sechstagefahrt 1976 in österreich viel Mut und fahrerisches Können 15 1978 war Frank Schubert von Viertelliter-Klasse bis 350 cm³ übergewechselt. Der Routinier wurde auf Anhieb 3. in der Europameisterschaft und zählte wiederum zu den Fahrern unserer Trophy-Mannschaft, die in Schwe-den (unser Foto) zum 3. Mal Vizeweltmeister wurde

Bester MZ-Fahrer in der Europameisterschaft 1976 war Frank Schubert mit einem 3. Platz in der Endabrechnung alle Läufe. Für die Internationale Sechstagefahrt bei Zeltweg/Österreich wurde je eine DDR-Trophy- und Silbervasenmannschaft benannt, die jeweils aus MZ- bzw. Simson-Fahrern gebildet waren. Unter jeweils 15 Trophy- bzw. Vasenmannschaften wurden die DDR-Teams 3. im Trophy-Wettbewerb und 6. im Wettkampf um die Silbervase. Als Vizeeuropameister der Klasse bis 500 cm³ beendete Manfred Jäger die EM-Läufe 1977, und alle anderen MZ-Fahrer erreichten ebenfalls vordere EM-Plätze. Eine geschlossene Mannschaftsleitung der nunmehr wieder ausschließlich aus MZ-Fahrern gebildeten DDR-Trophy-Mannschaft mit Jäger, Schubert, Sturm, Köthe, Fabke und Meusel brachte bei der 52. Internationalen Sechstagefahrt in Povazska/CSSR den Beweis dafür, dass MZ eindeutig wieder zur Weltspitze im Geländesport zählt. Hinter dem glücklichen Weltmeister CSSR wurde die DDR mit haushohem Punkteabstand Vizeweltmeister vor der BRD.
Mit neuem Maschinenmaterial trat MZ zu den EM-Läufen 1978 an, und diesmal gelang endlich auch wieder ein voller Erfolg:
Manfred Jäger erreichte den Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn und holte für MZ den Europameistertitel in der Klasse über 500 cm³.
Gehandikapt durch den verletzungsbedingten Ausfall von Ulrich Fabke - und trotzdem voller Optimismus - trat die MZ-Trophy-Mannschaft der DDR zur 53. Internationalen Sechstagefahrt vom 4. bis 9. September 1978 in Schweden an. Der erst 18-jährige Jens Scheffler lieferte einen ausgezeichneten Einstand im Trophy-Team und wurde gemeinsam mit Manfred Jäger, Frank Schubert, Jürgen Meusel, Harald Sturm und Uwe Köthe hinter der wiederum siegreichen CSSR Vizeweltmeister vor Großbritannien unter insgesamt 16 Trophy-Mannschaften.
In technischer Hinsicht bestimmt MZ heute wieder den Weltstand im Motorradgeländesport mit. Diese Feststellung konnte schon 1978 getroffen werden und gilt erst recht für die weiterentwickelten Maschinen der Saison 1979, die in 4 Hubraumklassen - bis 250, 350, 500 und über 500 cm³ - eingesetzt wurden. Diese neue Generation der MZ-Geländesportmotorräder ist bei Erhalt der Zuverlässigkeit kompromisslos auf Leichtbau ausgelegt. Auffällig ist die Fahrgestell-Konstruktion mit dem verwindungssteifen Doppelschleifen-Rahmen, langhubiger ölhydraulisch gedämpfter Teleskopgabel und nadelgelagerter Gasdruckstopdämpfer. Die Federwege betragen vorn und hinten 250 mm. Die Motorleistung liegt bei allen Modellen um etwa 30 kW - (25,7 kW bei 250 cm³; 29,4 kW bei 350/360 cm³; 33 kW bei 505 cm³). Die 250-cm³-Ausführung verfügt 1979 über ein Sechsganggetriebe. Für die Hubräume ab 360 cm³ wird der kompaktere Zahnradsatz des bewährten Fünfganggetriebes eingesetzt. Wesentlichen Einfluss auf die Motorenentwicklung hat die vom Reglement vorgeschriebene Einhaltung des Geräuschpegels von 100 dB(A). - Mehrfach experimentiert wurde bei MZ u.a. mit unterschiedlichen Zylinderkopfvarianten.
In der EM 1979 wurden mit diesem Maschinenmaterial die Fahrer Manfred Jäger (über 500 cm³) und Harald Sturm (bis 350 cm³) Vizeeuropameister und Frank Schubert Dritter (bis 250 cm³). Alle anderen MZ-Fahrer erreichten ebenfalls gute Platzierungen.
Dieser Bericht war nicht mehr als ein Versuch, - der Versuch, die Bilanz des fast ein Vierteljahrhundert andauernden MZ-Geländesporteinsatzes zu ziehen. Die Berichterstattung beschränkt sich auf die MZ-Beteiligung an Sechstagefahrten und an den europäischen Titelwettbewerben. Alle anderen MZ-Starts bei internationalen Geländesportveranstaltungen, bei DDR-Meisterschaftsläufen usw. blieben unberücksichtigt. Die Vielzahl der Gesamtsiege, Klassensiege und Medaillen blieb ungenannt. Die Ergebnisbilanz von 6 Trophy-Siegen, einem Gewinn der Silbervase bei Sechstagefahrten, von 3 Europapokalen und 5 Europameistertiteln, 13 Vizeeuropameistern und 13 mal EM-Bronze ist ohnehin stolz genung. Mit zahlreichen hohen staatlichen Auszeichnungen für die MZ-Sportabteilung und ihre Mitarbeiter wurden diese Leistungen gewürdigt.
Die MZ-Erfolge im internationalen Motorradgeländesport waren stets ein überzeugender Beweis für die Leistungsfähigkeit der volkseigenen Zweiradindustrie der DDR. MZ wird auch künftig dem Geländesport treu bleiben, weil sich der harte Geländeeinsatz als Prüffeld für die Serientechnik von morgen bewährt hat. Die Vielzahl der Erfolge von MZ in dieser technischen Sportdisziplin hat in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, das Ansehen der Marke MZ bei den Motorradfreunden in aller Welt zu erhöhen und wirkte sich stets fördernd auf den Export der MZ-Serienmotorräder aus.
Seit 1978 stellte MZ - nach mehrjähriger Pause - auch wieder neue, modifizierte Kleinserien-Geländemaschinen für die Motorsportclubs der DDR bereit. Damit wurden erste technische Voraussetzungen zur Entwicklung junger Fahrer geschaffen. Es geht also weiter im Motorradgeländesport der DDR. Unsere volkseigene Zweiradindustrie hat große Zielstellungen für die achtziger Jahre. Neue MZ-Siege im Motorradgeländesport werden dabei zweifellos eingeplant.

Text und Bilder: moto-jahr 1980 transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin
Autor: Dieter Baumann, Fotos: Fuhr (1-5, 11, 12), Baumann (6-10, 13-15)


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